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Düsseldorf, 18. Mai 2026

Ein Kapitel schließt sich

BVMC und absatzwirtschaft beenden Kooperation nach 68 Jahren

Zum 30. Juni endet die Herausgeberschaft des Bundesverband Marketing Clubs (BVMC) an der absatzwirtschaft. Damit schließt sich eine der längsten Partnerschaften im deutschsprachigen Marketing – und zugleich öffnet sich ein Kapitel, in dem Fachjournalismus und Marketing-Community auf neue Weise zusammenfinden müssen. Ein Rückblick auf die wichtigsten Stationen einer Zusammenarbeit, die das Selbstverständnis einer ganzen Branche mitgeprägt hat.

Es gibt nicht viele Partnerschaften im deutschen Marketing, die in Jahrzehnten gemessen werden. Die zwischen der absatzwirtschaft und dem BVMC ist eine davon. 68 Jahre lang teilten Verband und Fachmedium eine gemeinsame Aufgabe: die Marketing-Community in Deutschland nicht nur zu informieren, sondern sie als Community überhaupt erst sichtbar und anschlussfähig zu machen. Zum 30. Juni endet diese formale Kooperation – Anlass für eine Bilanz.

Die Anfänge: ein gemeinsames Objekt, von Beginn an

Die Geschichte beginnt fast zeitgleich mit den beiden Partnern selbst. 1956 wurde der Deutsche Marketing-Verband (DMV) gegründet – als Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkaufsleiter-Clubs und heutiger Bundesverband Marketing Clubs. Nur ein Jahr später, 1957, entstand die absatzwirtschaft. Am 1. April 1958 schließlich besiegelten beide ihre Zusammenarbeit: Gemeinsam mit der Absatzwirtschaftlichen Gesellschaft Nürnberg (AWG) gaben sie ab Ausgabe 5/1958 "Die Absatzwirtschaft – Zeitschrift für Verkauf, Vertrieb, Marketing" heraus, verlegt von der Verlagsgruppe Handelsblatt.

Schon dieser erste Vertrag war bemerkenswert modern in seiner Grundidee: Über ein Herausgeber-Collegium aus Vertretern beider Seiten sollten Verband und Gesellschaft die Geschicke der Zeitschrift gemeinsam lenken – eine partnerschaftliche Konstruktion, die das Selbstverständnis der Kooperation für Jahrzehnte prägen sollte. Seit 1964 trug das Magazin den Titel "Die Absatzwirtschaft – Zeitschrift für Marketing";

Dass diese Verbindung über die Jahrzehnte nicht immer reibungslos verlief, gehört zur ehrlichen Bilanz dazu. So gab es unter anderem im Verlauf der 2000er Jahre Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Titelrechte. Bezeichnend dabei ist aber, dass beide Seiten am Ende immer wieder denselben Weg wählten. So bekräftigten Fachverlag und DMV 2012 in einer Absichtserklärung ausdrücklich den Willen, "die Zusammenarbeit fortzusetzen."

Vom Mitgliedermagazin zum Leitmedium

Über Jahrzehnte war die absatzwirtschaft das offizielle Magazin des Verbands – fest verankert in der Mitgliedschaft. Diese enge Verzahnung blieb nie auf das gedruckte Heft beschränkt. Ihr sichtbarstes gemeinsames Leuchtturmprojekt wurde der Marken-Award, den absatzwirtschaft und Verband seit 2001 gemeinsam vergeben – eine Auszeichnung für herausragende Markenführung, die zum festen Bezugspunkt der Branche wurde.

Erwähnenswert ist auch die Auszeichnung zum "Fachmedium des Jahres" im Jahr 2010. Die Jury der Deutschen Fachpresse würdigte "redaktionell hochwertige Inhalte" der absatzwirtschaft, eine "sehr gute Gestaltung in einem modernen Magazinstil" sowie die "ausgezeichnete crossmediale Vernetzung und Markenführung".

Vom Print-Klassiker zum digitalen Resonanzraum

Jede gedruckte Ausgabe erreichte die Mitglieder in den vielen Marketing Clubs – von Hamburg bis München, von Köln bis Dresden. Der BVMC zählte in der Spitze rund 14.000 Mitglieder und damit die größte organisierte Marketing-Community Deutschlands. Redaktionelle Berichterstattung, Clubarbeit und Veranstaltungen wurden immer enger miteinander verzahnt. Die Pandemiejahre und der rasante Digital-Shift brachten neue Formate hervor, in denen Austausch, Vernetzung und gegenseitige Sichtbarkeit wichtiger waren denn je.

Im Juni 2024 ist aus der Kooperation eine "neue Content-Partnerschaft" entstanden. Mit der Ausgabe 06/2024 erschien zugleich die letzte Printausgabe der absatzwirtschaft – ein symbolträchtiger Schritt, der die strategische Verlagerung auf digitale, messbare und reichweitenstärkere Formate vollzog.

Wirkung: Was die Kooperation für Community und Journalismus geleistet hat

Wer auf 68 Jahre zurückblickt, sieht schnell, dass es nie nur um ein Magazin und einen Verband ging. Die Kooperation hat in dieser Zeit etwas geschaffen, was sich im Marketing nur selten findet: einen verlässlichen Resonanzraum, in dem Praxis, Wissenschaft und Journalismus aufeinandertreffen konnten – Monat für Monat, Veranstaltung für Veranstaltung, Generation für Generation.

Für die Marketing-Community bedeutete das vor allem Orientierung. In einer Disziplin, die sich in immer kürzeren Zyklen neu erfindet – von der Markenführung über Performance und Martech bis hin zu KI-getriebenen Customer Journeys –bot die Verbindung aus BVMC und absatzwirtschaft einen stabilen Bezugspunkt. Diese Rückkopplung zwischen lokaler Clubarbeit und überregionaler Berichterstattung ist es, die viele Mitglieder rückblickend als das eigentliche Kapital dieser Partnerschaft beschreiben.

Was bleibt und was kommt

Nun also endet die Kooperation in ihrer bisherigen Form. Es ist ein Abschied, aber kein Bruch. Verträge laufen aus, strategische Wege sortieren sich neu – und doch wäre es zu kurz gegriffen, diesen 30. Juni nur als Schlusspunkt zu lesen. Was bleibt, ist mehr als eine Vereinbarung. Über fast sieben Jahrzehnte ist eine selten enge Verzahnung zwischen Fachjournalismus, Verbandsarbeit und Marketingpraxis entstanden – eine Infrastruktur aus Themen, Personen und Veranstaltungen, die das deutsche Marketing geprägt hat. Generationen von Marketingverantwortlichen haben in dieser Konstellation Karrieren begonnen, Cases geteilt, Debatten geführt und Netzwerke erweitert.

Ein Kapitel schließt sich. Die Geschichte aber, die der BVMC und die absatzwirtschaft gemeinsam mit der deutschen Marketing-Community geschrieben haben, geht weiter – mit der Überzeugung, dass guter Journalismus und starke Communitys einander auch in Zukunft brauchen werden.

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